2. Dezember 2017

03_Pfarrer_Stefan_Fleischmann

Der lächelnde Engel

Am linken Seitenportal der Kathedrale von Reims begrüßt ein lächelnder Engel den Besucher.

Der Engel schaut mich von oben an.
Er lächelt mir zu.
Vielleicht ist es auch ein verschmitztes Lächeln? 
Wenn ich näher hinschaue, sehe ich sogar ein Augenzwinkern – voller Humor und Lebensfreude?
Was möchte er mir jetzt – in diesem Augenblick – wohl sagen?

Engel neu

Ich bleibe hier am Eingang der Kathedrale noch ein wenig stehen. Dieser Engel hat schon einiges erlebt und überlebt. Er erzählt die Geschichte von der Zerstörung der Kathedrale im 1. Weltkrieg. Durch Bombardierung und Brände wird die Kathedrale sehr schwer beschädigt. Der Engel weiß aber auch vom Besuch Adenauer und de Gaulle im Jahr 1962 zu berichten. Beide besiegeln hier die Wiederversöhnung Frankreichs mit Deutschland.

Der Engel lässt sich im Wechselspiel der Geschichte nicht unterkriegen. Wider alle Hoffnung verliert er nicht sein Lächeln, sein Vertrauen, seine Zuversicht.  So übersteht er alle Zerstörung und  alles Leid und sieht  Neues und Hoffnungsvolles entstehen  bis heute.

„Du, lächelnder Engel,
Bote des Himmels.
Die Bildhauer haben es so gut verstanden,
auf deinem Gesicht,
das Lächeln Gottes selbst auszudrücken.
Du, lächelnder Engel,
freust dich über jeden, den du zu Gesicht bekommst,
und allen, die dich betrachten,
sagst du,  wie sehr sie von Gott geliebt werden,
wie nahe er ihnen ist –jetzt und hier!“
(nach einer Postkarte der Kathedrale von Reims)

Eine bessere Botschaft könnte der lächelnde Engel für mich gar nicht haben – vor Eintritt in die Kathedrale oder auch zu Beginn der Adventszeit.  Von daher darf ich mich auf das freuen, was jetzt (noch) kommt. Und vielleicht gelingt es mir, im Alltag einmal zurückzulächeln –mit einem Augenzwinkern! 

Stefan Fleischmann
Subregens in den Priesterseminaren Bamberg und Würzburg
Erzbistum Bamberg