5. Dezember 2017

06_14-02 Burkard

Alltägliche Wunder

„Das gibt es doch nicht! Es geschehen noch Zeichen und Wunder!“ hörte ich es letztes Jahr im Advent mal bei uns im Martinushaus aus einem Büro rufen. Na also, dachte ich, man soll in der Zeit um Weihnachten herum halt mit allem rechnen. In diesem Fall, so bekam ich dann mit, war eine unserer Sekretärinnen nach einem Computerproblem endlich wieder an ihr Mailpostfach gekommen. Jetzt könnte jemand einwenden: Wo ist denn da das Wunder, ein Computerfachmann könnte vermutlich genau erklären, was da los war. Also doch nichts mit Zeichen und Wunder?

Ich finde schon und plädiere hiermit für eine weite Auslegung des Begriffs. Ich glaube, dass Menschen, die ein Wunder auch im Aufbrechen einer Blüte durch den Asphalt, in einem gelungenen Gespräch oder im Funktionieren eines Mailprogramms nach einer Störung sehen können, die glücklicheren Menschen sind. Sie sind geübt darin, die kleinen Wunder nicht zu übersehen und gut vorbereitet auf das größte aller kleinen Wunder: Die Menschwerdung Gottes als Kind im Stall. Man darf sich also wundern, im Advent, an  Weihnachten und das ganze Jahr über und es allen zurufen: „Das gibt es doch nicht!“. Letztlich ist das nur eine Version des Gesangs der Engel. 

Burkhard Vogt
Bildungsreferent und Korrespondent des Medienhauses Würzburg in Aschaffenburg
Bistum Würzburg