6. Dezember 2017

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Tipp für den Nikolaus

Seit vielen Jahren darf ich im Dezember als Bischof Nikolaus unterwegs sein – in Schulen, Kindergärten und vielen Privathäusern. Diese Begegnungen mit den Kindern sind für mich immer ganz besondere „Adventsmomente“. Sehr unterschiedlich ist der Besuch bei den Familien. Manchmal hat er etwas von einem Beichtgespräch, oft auch von einer Beratung, meist jedoch wird der erzieherische Aspekt von den Eltern erwartet. Ich erlaube mir dabei oft, den Eltern gegenüber manch erzieherische „Ermahnung“ auszusprechen, wenn z. B. auf dem Zettel mit den positiven und negativen Eigenschaften des Kindes steht: „Unser Sohn sieht viel zu viel fern!“ Dann müssen sich die Eltern schon mal anhören, dass Sie sich mehr Zeit für Ihr Kind nehmen sollten, damit es nicht ewig vor der Glotze hängt.

Manchmal kommt es vor, dass die Kinder zum „Gegenangriff“ übergehen. Ich erinnere mich gut an ein fünfjähriges Mädchen. Sie wurde von mir als Nikolaus darauf aufmerksam gemacht, dass sie doch ihr Zimmer ab und zu aufräume sollte. Daraufhin meinte sie: „Herr Nikolaus, das seh´ ich gar nicht ein! Schau doch mal das Zimmer meiner Mama an – da ist nie aufgeräumt!“ Die Mama hielt von dieser Idee eher nicht so viel. Doch Mamas Zimmer wurde besichtigt.

Wenn ich als Nikolaus in ein Haus gehe, muss ich meinen Kopf beugen, damit ich mit der Mitra durch die Türe komme. Innerlich verbeuge ich mich oft vor dem tiefen Glauben vieler Kinder. „Bestell dem lieben Gott einen schönen Gruß, wenn Du wieder hinaufkommst!“ höre ich oft, oder: “Sag, Nikolaus, bei Gott ist es sicher ganz schön!“ Ein Kind fragte mal: „Wie kann ich denn so heilig werden wie du?“ Ab und zu bekommt der Nikolaus auch einen guten Tipp: Ein kleiner Junge deutet mir mal beim Abschied, dass er mir noch etwas ins Ohr flüstern möchte. Ich ging auf die Knie und hörte ihn sagen: „Du, Nikolaus, wenn du hier fertig bist, dann sollen Dir die Engel eine heiße Badewanne machen, damit du dich erholst – und später kannst Du dem Gott von uns Kindern erzählen!“ Ich denke, ich sollte den Ratschlag in diesem Jahr befolgen!

Thomas Weggartner
Persönlicher Referent des Bischofs von Passau
Bistum Passau