1. Dezember 2019

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Das Kreuz von Brescello

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Sehr gerne schaue ich Don Camillo-Filme. Legendär sind die Gespräche zwischen Don Camillo und dem Gekreuzigten. Er steht mit Seinem Herrn ständig in Kontakt, der seinen „schlitzohrigen Diener“ – je nach Situation – ermahnt, kritisiert, korrigiert, ermutigt, zurückhält, oder sich auch einmal ausschweigt. Einfach zum Schmunzeln.

„Herr“, sagt Don Camillo, „Peppone hat es zu arg getrieben, und ich werde ihn erledigen.“ „Don Camillo“, erwidert der gekreuzigte Christus, „auch jener, der mich ans Kreuz schlug, hat es zu arg getrieben, aber ich habe ihm verziehen.“

Brescello – ein kleines Dorf in der Poebene. Hier ist der Ort des Geschehens. Zwei lebensgroße Figuren auf dem Marktplatz weisen darauf hin. Restaurants, die nach den beiden Hauptdarstellern Don Camillo und Peppone benannt sind, laden zum Verweilen ein. Ein Museum gibt wertvolle Einblicke in die Dreharbeiten vor Ort. Doch die Dorfkirche steht im Zentrum – herausgeputzt und frisch renoviert. Sie hat an Einfachheit und Schlichtheit, wie sie im Film zum Tragen kommt, etwas eingebüßt.

Ich möchte das Kreuz von Brescello wenigstens einmal sehen. Etwas irritiert stehe ich im Chorraum. Kein Kreuz! Nichts. Ich frage nach. Ich betrete die Seitenkapelle. Ich stehe alleine vor dem Gekreuzigten und zünde eine Kerze an.

„Herr, du sprichst ja wieder mit mir!“- Ich habe immer zu dir gesprochen, aber du hast mich nicht gehört.“

Stefan Fleischmann, Subregens in den Priesterseminaren Bamberg und Würzburg

(Erzbistum Bamberg)