11. Dezember 2018

DCF 1.0

Der zerbrochene Rabe

Wartezeiten in meinem Leben haben immer zwei Seiten. Sie stecken irgendwie voller Spannungen.

Wenn ich die Wartezeit als mir geschenkte Zeit des Wartens akzeptieren kann, schenkt sie mir etwas, was ich sonst im normalen Ablauf der Zeit und all meiner Tätigkeiten, Verpflichtungen und Möglichkeiten so nicht entdeckt hätte.

Die Adventszeit, diese so wertvolle Wartezeit auf das Geburtsfest Jesu ist wie eine Einladung einmal genauer hin zu schauen auf das, was mir gerade begegnet.

Mir ging es vor ein paar Tagen so. Da hatte ich einfach Zeit und im Durchblättern eines Heftes mit vielen Geschichten entdeckte ich die Geschichte vom Raben. Die hatte ich schon früher einmal gelesen und sie ist eine schöne, adventliche Geschichte. Die Frau erzählt darin von einem Dekoraben vor ihrer Haustür, der in die Brüche ging. Und weil es ihr leid tat um diesen zerbrochenen Raben und sie ausgerechnet in diesen Tagen einen Adventsimpuls las von der Kintsugi-Technik, war die Idee schnell da.

Sie fügte die Bruchstücke des Raben zusammen und mit der dabei verwendeten Goldpaste flickte sie die Risse und Bruchstellen.

Auch mich berühren diese Worte der Goldenen Spur aus dem Adventsimpuls: „..ich bin gebrochen an verschiedenen Stellen.

Ich habe vieles überstanden.

Es hat Mühe und Zeit gekostet, wieder ganz zu werden,

wieder neu gefüllt werden zu können.

Aber genau das macht mich einzigartig.“

Etwas so Zerbrochenes, sozusagen die Risse zu vergolden, macht mir Mut für mein Leben:

Dass ich so manchen Riss mit einer Goldspur der Hoffnung und Zuversicht flicken kann und dass so schon ein wenig Gottes Liebe angekommen ist in meinem Herzen mitten in dieser Wartezeit…

Renate Pongratz
Religionspädagogin aus Büchlberg
Bistum Passau