12. Dezember 2018

12_claudia_schaeble

Das Fenster der Hoffnung …

Vielleicht kennen Sie diese Geschichte, dir mir vor einigen Tagen wieder in die Hände gefallen ist: Zwei schwerkranke Männer liegen im Krankenhaus in einem Zimmer. Während der eine dauerhaft im Bett flach liegen muss, wird der andere einmal am Tag aufgesetzt. Sein Bett steht direkt am Fenster und so erzählt er immer dann, wenn er aufgesetzt wird, seinem Bettnachbarn, was er draußen entdeckt: Einen Park mit vielen Menschen, Kinder, die spielen und rennen, die Sonne, die scheint, den Himmel in wunderbarem Licht. Sein Bettnachbar lebt förmlich aus diesen Stunden, in denen er erzählt bekommt, was in der Welt vor dem Fenster geschieht und was ihm sein Bettnachbar so anschaulich beschreibt. In diesen Stunden weitet sich die kleine Welt des Krankenzimmers hinaus in die bunte Welt vor dem Fenster. Dann schließt er die Augen und sieht vor sich, was ihm vom Bettnachbarn beschrieben wird. Und ein wenig kommt es ihm vor, als könnte er selbst in diese andere Welt einsteigen und in ihr mit-leben. Erst als der Bettnachbar entlassen wird und der zweite Mann die Krankenschwester auf diese Stunden anspricht, die ihm neuen Mut gegeben haben, die ihn haben aufleben lassen, auf die hin er täglich gelebt hat, erfährt er, dass sein Bettnachbar blind war…

Ein Blinder beschreibt dem Sehenden die Welt in den buntesten Farben!

Ja, es gelingt dem Blinden, seinem Bettnachbarn Hoffnung zu geben, dem Tag Leben zu verleihen durch die eine Stunde des AusBlicks in andere Welten!

Der Blinde schafft es, die Fantasie anzuregen und Bilder aufsteigen zu lassen, die die eintönige und weiß-graue Welt des Krankenhauses ein wenig bunter, schöner und angenehmer machen – auch wenn es nur ein Augen-Blick an einem langen Krankenhaustag ist.

Ein wenig bin ich beim Lesen neidisch geworden auf diesen blinden Mann. Ihm gelingt es, positiv in die Welt zu „blicken“, das Gute zu sehen und es nicht nur für sich zur Hoffnung werden zu lassen, sondern auch für seinen Leidensgenossen. Und ich? – Wie oft sehe ich nur die Fehler, die Macken anderer, das, was nicht klappt und alles, was schlimm und schlecht ist in dieser Welt. Ob es mir vielleicht gelingen mag, mehr Hoffnungsvolles zu sehen und weniger von dem, das mir den Mut nimmt? Ob es mir gelingen mag, auch anderen einen kleinen Blick der Hoffnung zu ermöglichen? – Ich weiß es nicht. Aber einen Versuch wäre es doch Wert für ein wenig mehr Licht- und Hoffnungsblicke in diesem Advent. Oder?

Claudia Schäble
Schulische Ausbildung pastoraler Mitarbeiter in der Schulabteilung der Diözese Eichstätt
Bistum Eichstätt