13. Dezember 2018

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Ruhiger sein

Am Tag, als ich diese Zeilen schreibe – es ist der 23. November, ist bei uns im Kloster der erste Weihnachtsgruß mit der Post gekommen – zu allem Überfluss noch dazu aus einem anderen Kloster unseres Prämonstratenserordens. Und vorgestern habe ich gesehen, dass die Weihnachtsbeleuchtung am Augsburger Perlachturm bereits eingeschaltet war, obwohl der Christkindlesmarkt auf dem Rathausplatz vor dem Turm noch gar nicht eröffnet ist. Er beginnt erst oder – wohl eher zutreffend – schon, am 26. November, also „nur“ sechs Tage vor ersten Adventssonntag.

Immer früher geht es los, mit der „staaden Zeit“, immer hektischer dreht sich alles vor Weihnachten, immer kuriosere Veranstaltungen, Bräuche, Geschenke gibt es vor Weihnachten. Und dann fällt mir immer wieder der Satz von Karl Valentin ein: „Ich bin froh, wenn die staade Zeit vorbei ist, dann wird’s vielleicht wieder ruhiger.“

Nein, ich will mich hier jetzt nicht bloß in beißendem vorweihnachtlichem Sarkasmus ergehen. Vielleicht kann man dem Gedanken von Karl Valentin ja sogar einen Aspekt der christlichen Heilsverheißung abgewinnen: Ja, die Welt kann ruhiger werden, darf ruhiger sein, seit die vorweihnachtliche Zeit vorbei ist, die Zeit vor der Menschwerdung Gottes. Seit der Zeitenwende im Stall von Bethlehem ist Gott in seinem Sohn Jesus Christus mitten unter uns und geht mit uns durch diese Welt, was auch immer kommen mag. Deswegen können und sollen wir als Glaubende ruhiger sein, seit es Weihnachten geworden ist. Vielleicht denken Sie ab und zu daran, wenn die „staade Zeit“ wieder vorbei ist.

P. Stefan Ulrich Kling O. Praem
Leiter des Amts für Kirchenmusik im Bischöflichen Ordinariat Augsburg und Prior des Prämonstratenserklosters Roggenburg
Bistum Augsburg