15. Dezember 2018

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Lass Gott zu Dir sprechen

Am Anfang des Markus-Evangeliums benennt der erste Satz genau, worum es Markus geht: er will die Frohbotschaft Jesu verkünden. Diese frohe Botschaft nimmt ihren Anfang mit der Predigt des Täufers. Mit seinem Auftreten beginnt ein neuer Abschnitt in der Geschichte. Diese heilsgeschichtliche Stellung und Bedeutung des Täufers wird durch ein Schriftzitat ausgedrückt. Johannes ist der Wegbereiter des Messias. Der Evangelist Markus berichtet vom Täufer nur, was den Gedanken des Prophetenwortes unterstreicht.

Das Wichtigste ist: Johannes verkündet in der Wüste eine Bußtaufe zur Vergebung der Sünden. Es ist ein Ruf zur Umkehr, zur Hinwendung an Gott. Seine Persönlichkeit und seine Predigt scheinen die Menschen zu beeindrucken, denn laut Markus zogen sie in Scharen zu ihm hinauf. Die Botschaft, die der Täufer für die Menschen hat, ist kurz: Nach mir kommt einer, der stärker ist und euch mit dem Heiligen Geist taufen wird.

Ich habe mir diese Szene einfach mal bildlich vorgestellt, und da habe ich es gespürt: da ist richtig was los. Da ist jeder auf den Beinen, der eine wird gesandt, losgeschickt, und dann ist die Rede vom Weg Bahnen und Straßen Ebnen. Ja, alle scheinen in Bewegung zu sein, ganz Jerusalem ist unterwegs. Nun, das kommt mir durchaus bekannt vor, zwei Wochen vor Weihnachten. Wie viele bahnen sich da den Weg durch Einkaufsgassen und Spielzeugläden? Wer fühlt sich nicht irgendwie gesandt zum Plätzchen Backen und Wunschzettel Erfüllen. Und wer hat Samstag Vormittag in der Fußgängerzone oder im Olympia-Einkaufszentrum nicht auch das Gefühl, dass ganz München unterwegs ist?

Bei all diesen Gedanken bin ich ein klein wenig über mich selbst erschrocken und habe mir die Frage gestellt: Was passiert da eigentlich mit mir und diesem unglaublichen weltbewegenden Ereignis der Menschwerdung Gottes? Dringt es denn noch in mein Herz vor, wem hier der Weg gebahnt werden soll? Bin ich mir der Größe dieses Ereignisses bewusst, das seine Vorwirkungen im Advent zeigt? Ja? Nein? Jein?

Für mein Leben nehme ich den Entschluss mit, dass es in den letzten zwei Adventswochen anders werden muss. Wenn ich auch nur annähernd dem Geheimnis der Menschwerdung Gottes auf die Spur kommen will, dann muss Advent mehr heißen wie Plätzchen backen, Geschenke besorgen und sich von Termin zu Termin bis zum 24. Dezember hangeln. Mein Adventskalender für die nächsten 14 Tage wird mir, neben der kleinen Schokolade, auch eine adventliche Botschaft mitliefern, die ich an diesem Tag leben möchte. Das kann sein: Zünde heute Abend mit deiner Familie ganz bewusst die Kerzen am Adventskranz an. Oder: Entdecke und tröste heute einen Menschen, der deine Hilfe braucht. Oder vielleicht: Mache zehn Minuten Mittagspause in der Kirche und lass Gott zu dir sprechen.

Gerlinde Singer
Pastoralreferentin im Pfarrverband St. Albert-Allerheiligen in München-Freimann
Erzbistum München und Freising