20. Dezember 2018

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Wach sein

Wach sein, Lampen brennen lassen – ich denke bei diesen Sätzen immer an meine Zeit bei der Bundeswehr. Während der Wache durfte nicht geschlafen werden, und wenn es doch passierte und einem aus Übermüdung die Augen zufielen und genau in diesem Augenblick der Vorgesetzte vorbeikam, erhielt man im günstigsten Fall eine gehörige Standpauke und mindestens eine zusätzliche Wache. Also, alles halb so wild in Friedenszeiten, im Krieg hingegen kann es das Leben kosten.

Ich weiß, im Evangelium geht es um keine Kriegswache. Es geht um Menschen, die warten, warten auf die Rückkehr ihres Herrn. Es sind die ersten Christen. Sie leben in der Hoffnung, dass Jesus als Menschensohn und Weltenrichter bald kommen wird. Sie beginnen aber auch zu begreifen, dass bis zur Wiederkunft Jesu noch viel Zeit vergehen wird.

Es gilt also wachsam zu sein, mit anderen Worten: mein Leben so zu gestalten, dass ich jederzeit bereit bin, die Tür zu öffnen, wenn Jesus anklopft.

Nun fragen sich vielleicht manche: Wie geht das? Ganz einfach und doch so schwierig. Ganz einfach, indem ich wie die ersten Christen das Wort Gottes höre und versuche im Leben umzusetzen. Indem ich mich mit anderen treffe und gemeinsam über die Texte der Bibel spreche. Indem ich dabei bin, wenn in unseren Kirchen Eucharistie gefeiert wird. Indem ich mich nicht vor der Not anderer verschließe. So kann ich ruhig schlafen und verschlafe doch nichts. Denn: ich bin bereit.

Wie gesagt: ganz einfach, und doch so schwierig. Die Gefahr, dass uns, bildlich gesprochen, die Augen zufallen, ist allgegenwärtig. Da sind die Texte in der Bibel so schwierig, ja, manche ärgern mich gar. Da ist der Gottesdienst in der Kirche todlangweilig. Da ist die Not so groß – wo anfangen? Lohnt sich die Anstrengung überhaupt?

Ich sage: ja. Denn es geht um nicht weniger als die Tischgemeinschaft mit Jesus, es geht um das Leben, um mein Leben, um unser aller Leben, das irdische und das überirdische.

Josef Jackl
Hauptberuflicher Diakon im Pfarrverband Raubling
Erzbistum München und Freising