4. Dezember 2019

Elmar Koziel

Kontaktbrücke

Es soll sie geben: die vielen, denen es lange vor Weihnachten schon vor den Besuchen rund ums Fest graut, den Pflichtterminen, an denen man die Verwandtschaft abklappert, den Einladungen, wenn man sie dann gar zu Hause sitzen hat, oder der ganzen Schreiberei, bei der ja niemand vergessen werden darf.

Andererseits: Weihnachten ist auch eine richtig gute Gelegenheit zur Kontaktaufnahme, jetzt nicht gemeint im Sinne einer völligen Binsenweisheit, sondern als Hinweis auf den Weg, den einem der äußere Anlass gerade aufgrund all seiner Konventionen und Selbstverständlichkeiten bahnen kann. Nicht zuletzt unter etwas schwierigeren Umständen.

Du hast den Geburtstag unterm Jahr vergessen und magst den Kontakt nicht ganz einschlafen lassen: Schreib einen Weihnachtsgruß. Du hast es das ganze Jahr nicht geschafft, dich zu melden: Diese Scharte lässt sich nun noch ausmerzen. (Es wird damit vielleicht nicht Jahr für Jahr klappen). Du weißt nicht recht, wie du die schon vor einer ganzen Weile abgerissene Verbindung wieder neu beleben könntest. (Man kann ja nach all den Jahren nicht einfach so mit der Tür ins Haus fallen): Weihnachten ist gleichsam unverfänglich genug, um über eine Karte mit schönem Motiv oder inspirierendem Spruch eine Wiederannäherung zu versuchen.

So ähnlich lagen wohl tatsächlich auch die Überlegungen im Vorfeld eines Kartengrußes, der mich am letzten Fest aus sprichwörtlich heiterem Himmel erreichte: Ein Weggefährte aus früheren Tagen, der Kontakt zwischen uns war irgendwann im Alltag versandet. Nun die schöne Überraschung – auf die hin es nicht schwerfiel, nächste Schritte zu tun. Was war Weihnachten hier? Auf jeden Fall eine Brücke vom Gestern ins Morgen.

Prof. Dr. Elmar Koziel

(Erzbistum Bamberg)