5. Dezember 2018

05_sara thiel

Die Güter der Welt sind für alle da

„Daran hängt mein Herz“- das höre ich manchmal von Menschen und bin eschrocken, wenn sich diese Äußerung dann auf einen Sportwagen oder Ähnliches bezieht. Mal Hand aufs Herz: Woran hängt Ihr Herz?

Im Evangelium vom Mammon betont Jesus: Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon. Das ist eine anspruchsvolle und entschiedene Aussage. Dieser Begriff Mammon kommt aus dem Aramäischen und bezeichnet materielle Güter. Jesus verwendet ihn hier im negativen Sinn. Er steht für all die Schätze, die das Herz eines Menschen besetzen können. Die im Herzen des Menschen den Platz einnehmen, der Gott zusteht.

Jesus richtet sich mit diesem Wort nicht nur an bestimmte Personengruppen, wie Ordensleute oder anderes kirchliches Bodenpersonal. Nein, Jesus meint mit diesen Worten alle, die seine Jünger sein wollen.

Reichtümer bergen die Gefahr, dass ich ihnen vieles unterordne. Das kann soweit gehen, dass ich alle Kräfte und alle Zeit dazu aufwende, materiell gut dazustehen. Das Geld kann zu einem Götzen werden, dem ich alles andere opfere. Und deshalb vergleicht Jesus den Reichtum mit einem Herrn, der keinen anderen neben sich duldet. Jesus verdammt die materiellen Güter nicht an sich. Sie können gute Dienste leisten, ja, sie sind sogar lebensnotwendig. Aber er warnt davor, dass sie das Menschenherz in Beschlag nehmen. Er lädt ein, in eine innere Freiheit hineinzuwachsen, mich von der Sorge um mein Eigentum mich nicht innerlich vergiften zu lassen.

Wie steht es um mich und mein Herz? Ich lade Sie zu einer kleinen Gedankenübung ein: Gehen Sie in Gedanken doch einmal die Liste mit drei bis vier Dingen durch, an denen Ihr Herz hängt. Kann ich diese Dinge auch lassen? Welche Rolle spielt das Geld, das Haben und Besitzen in meinem Leben? Dient mein Besitz dem Leben oder ist es ein thyrannischer, vergötterter Herr? Und ich kann mich fragen: Bin ich mir bewußt, dass letztlich Gott der Eigentümer von allen ist. Dieser Eigentümer möchte, dass die Güter der Welt nicht nur wenigen zukommen, sondern allen.

Wenn ich mein Herz nicht nur an Materielles hänge, habe ich den größten Gewinn im Herzen: die Freude, die aus dem Teilen erwächst.

Sr. Sandra Thiel
Pastoralreferentin in der Münchner Pfarrei Sankt Benno.
Gehört der Gemeinschaft der Niederbronner Schwestern an.

Erzbistum München und Freising