9. Dezember 2018

09_matthias_blaha

Jesulein Bazi

Eine Frau erzählt mir vom Besuch ihrer Enkelin am Heiligen Abend letztes Jahr: Die kleine Julia nimmt das Jesuskind aus der Weihnachtskrippe und studiert die Figur eingehend. Dabei entdeckt sie etwas, das sie gleich der Oma zeigen muss: „Jesulein hat Bauchnabel“, erklärt sie ihr – und fügt hinzu: „Jesulein Bazi!“

„Du bist ein Bazi!“: Diese liebevoll-tadelnde Bezeichnung für ein Kind, das etwas angestellt hat, hat Julia wohl schon wiederholte Male aus dem Mund ihrer Eltern gehört. Dass die Jesusfigur einen Bauchnabel hat, ist für Julia offenbar das Merkmal, dass Jesus ein Kind war, wie sie eines ist.

„Jesulein hat Bauchnabel – Jesulein Bazi“: mit diesem Befund hat Julia etwas Wichtiges über Jesus festgestellt.

Jesus als Sohn Gottes hat das ganz normale Leben eines Menschen gelebt. Als Kind war er sicher auch mal ein Bazi, der mit dreckigen Hosen nach Hause gekommen ist. Als Erwachsener teilt Jesus ohne Berührungsängste den Alltag seiner Mitmenschen. Jesus begegnet ihnen mit einem weiten Herzen, er zeigt ihnen, dass sie wertvoll sind, und er fördert das Gute, das in ihnen steckt.

Ich bin dankbar, an Jesus glauben zu dürfen. Er nimmt mich an, wie ich bin, er glaubt an mich und versteht mich in jeder Situation meines Lebens. Denn er ist Gott – und zugleich Mensch wie ich.

Matthias Blaha
Pfarrer von St. Anton, Ingolstadt 
Bistum Eichstätt